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Parlamentarischer Abend der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt: Zukunft des Wohnens im Fokus der Landtagswahl 2026

Parlamentarischer Abend der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt: Zukunft des Wohnens im Fokus der Landtagswahl 2026


Magdeburg, 12. Juni 2026

Über 130 Gäste aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wohnungswirtschaft kamen am 2. Juni 2026 zum Parlamentarischen Abend der beiden wohnungswirtschaftlichen Verbände, Verband der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt e.V. (VdW) und Verband der Wohnungsgenossenschaften Sachsen-Anhalt e.V. (VdWg) in der Hyparschale Magdeburg zusammen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen der Wohnungswirtschaft unseres Landes sowie der Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern der im Landtag Sachsen-Anhalt vertretenen Parteien im Vorfeld der Landtagswahl am 6. September 2026.

Zu den Gästen zählten unter anderem Mitglieder des Landtages von Sachsen-Anhalt, Bürgermeister und Oberbürgermeister, Vertreter von Kammern und Verbänden, Partner der Bau- und Wohnungswirtschaft sowie Vorstände und Geschäftsführer der Mitgliedsunternehmen der sozialorientierten Wohnungswirtschaft.

Die Veranstaltung wurde durch eine Bildserie von Gebäuden der Mitgliedsunternehmen begleitet. Unter dem Leitgedanken „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ wurden sowohl erfolgreich sanierte und neu errichtete Wohngebäude als auch Objekte mit erheblichem Sanierungsbedarf gezeigt. Die Ausstellung verdeutlichte die Leistungsfähigkeit der Wohnungsunternehmen ebenso wie die Herausforderungen, denn bereits heute hat sich ein Investitionsstau aufgrund fehlender Fördermittel von mehr als EUR 200 Mio. aufgebaut.

Nach einem fachlichen Impulsvortrag von Herrn Jens Zillmann, Verbandsdirektor des Verbandes der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt e.V., gaben

• Dr. Christian Walbrach, Beauftragter der Landesregierung Sachsen-Anhalt für die Belange der Menschen mit Behinderungen,
• Michael Truthmann, Präsidiumsmitglied des Bauindustrieverbandes Ost e. V., sowie
• Thomas Micka, Geschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen e. V.,

in kurzen Impulsbeiträgen Einblicke in die aktuelle Situation und die zukünftigen Herausforderungen ihrer jeweiligen Bereiche.

Thematisiert wurden unter anderem die Anforderungen einer alternden Gesellschaft und die Bedeutung barrierefreier Wohnangebote, die Herausforderungen der Bauwirtschaft unter veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie die Auswirkungen der Energiewende und der Transformation kommunaler Infrastrukturen auf die Wohnungswirtschaft.

Im Anschluss diskutierten im Podium Vertreterinnen und Vertreter der im Landtag Sachsen-Anhalt vertretenen Fraktionen gemeinsam mit der Wohnungswirtschaft über zentrale Zukunftsfragen des Wohnens in Sachsen-Anhalt. An der Podiumsdiskussion nahmen teil:

• CDU: Detlef Gürth
• Bündnis 90/Die Grünen: Madeleine Linke
• Die Linke: René Schernikau
• FDP: Maximilian Gludau
• SPD: Dr. Falko Grube
• AfD: Ulrich Siegmund

Die Moderation übernahm Wiebke Binder vom MDR.

Den Fraktionsvertreterinnen und -vertretern wurden Fragen aus den Themenfeldern Demografie und Bevölkerungsentwicklung, Fördermittelpolitik von Bund und Land, Energiewende sowie Transformation der Wohnungsbestände gestellt. Im Mittelpunkt standen die Herausforderungen einer alternden Bevölkerung, die Schaffung barrierearmer und barrierefreier Wohnungen, die Finanzierung notwendiger Investitionen sowie die Umsetzung der energetischen Modernisierung bei gleichzeitig bezahlbaren Mieten.

Die Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt verwies dabei auf die umfangreichen Aufgaben, die in den kommenden Jahren zu bewältigen sind. Nach vorliegenden Untersuchungen wird Sachsen-Anhalt bis 2045 rd. 17 % seiner Bevölkerung verlieren und 30 % der Menschen werden älter als 67 Jahre sein. Die Anpassung der Wohnungsbestände an die Bedürfnisse älterer Menschen erfordert Investitionen in Milliardenhöhe, deren Finanzierung ohne auskömmliche Wohnungsbauförderung nicht gesichert ist.

Vor diesem Hintergrund stellte die Wohnungswirtschaft ihre zentralen Erwartungen an die Landespolitik vor.

Für eine praxistaugliche Förderlandschaft wird eine auskömmliche, verlässliche und langfristig planbare Wohnungsbauförderung als notwendig angesehen. Dazu gehören praxisgerechte Förderbedingungen, realistische Mietobergrenzen sowie Förderprogramme für Neubau, Umbau und Abrissmaßnahmen. Die seit 2024 komplett eingestellte Wohnungsbauförderung im Land wurde scharf kritisiert. Die Koalitionsvertrag zugesagte Kofinanzierung der Bundesmittel müsse endlich auch geleistet werden! 

Mit Blick auf die demografische Entwicklung wurde auf die Bedeutung von Investitionen in barrierearmes und barrierefreies Wohnen hingewiesen. Neben der Anpassung bestehender Gebäude wird auch der Neubau als wesentliche Voraussetzung für die Schaffung bedarfsgerechter Wohnangebote gesehen.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der sozialen Stabilität in den Quartieren. Die Wohnungsunternehmen leisten durch ihr Engagement einen wichtigen Beitrag zum sozialen Zusammenhalt und zur Entwicklung lebenswerter Nachbarschaften. Für die Zukunft wurde die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Landespolitik und Wohnungswirtschaft betont.

Der Parlamentarische Abend unterstrich die Bedeutung eines kontinuierlichen Dialogs zwischen Politik, Wohnungswirtschaft und weiteren gesellschaftlichen Akteuren, um tragfähige Rahmenbedingungen für bezahlbares, nachhaltiges und bedarfsgerechtes Wohnen in Sachsen-Anhalt zu schaffen.

Die aktuelle Wohnungspolitik des Bundes ist einseitig auf die westdeutschen, angespannten Wohnungsmärkte ausgerichtet und berücksichtigt ostdeutsche Belange des ländlichen Raums wenig bis gar nicht – das muss sich endlich ändern! Die Landespolitik muss ihrer föderalen Kernaufgabe der Wohnraumförderung nachkommen und die Fördermittelsituation dauerhaft verbessern. 

12.06.2026