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Mitteldeutscher Fachausschuss Sozialmanagement

Mitteldeutscher Fachausschuss Sozialmanagement

Praxisbeispiele für starke Quartiere

Erfurt. Vertreterinnen und Vertreter der Wohnungswirtschaft aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt kamen am 3. Juni 2026 zum Mitteldeutschen Fachausschuss Sozialmanagement im Wohnungswirtschaftlichen Dienstleistungszentrum (WDZ) in Erfurt zusammen. Im Mittelpunkt standen innovative Ansätze des Sozialmanagements, erfolgreiche Praxisbeispiele aus den Mitgliedsunternehmen sowie aktuelle Herausforderungen für die Wohnungswirtschaft.

Nach der Begrüßung durch Verbandsdirektor Frank Emrich diskutierten die Teilnehmenden verschiedene Projekte, die zeigen, wie Wohnungsunternehmen soziale Verantwortung übernehmen und Quartiere aktiv mitgestalten können. In seinem Impuls betonte Emrich die wachsende Bedeutung des Sozialmanagements angesichts gesellschaftlicher Entwicklungen wie zunehmender Einsamkeit, demografischer Veränderungen und steigender Unterstützungsbedarfe in den Wohnquartieren. Sozialmanagement sei heute weit mehr als ein freiwilliges Zusatzangebot: Es leiste einen wichtigen Beitrag zum Zusammenhalt in den Nachbarschaften, fördere das Miteinander und stärke die Attraktivität von Wohnungsunternehmen – insbesondere im ländlichen Raum. Dabei gehe es auch darum, voneinander zu lernen, erfolgreiche Ansätze sichtbar zu machen und die Frage zu beantworten, wie sich Wohnungsunternehmen durch soziale Angebote positiv differenzieren können. Diskutiert wurde zudem, wie Sozialmanagement von Mietern/Mitgliedern und Öffentlichkeit wahrgenommen wird und welchen wirtschaftlichen Mehrwert soziale Investitionen für Wohnungsunternehmen langfristig schaffen können.

Soziale Kümmerer als Brücke im Quartier

Die Referentinnen der Wohnungsgenossenschaften aus Chemnitz und Dresden stellten das Modell der „Sozialen Kümmerer“ vor und zeigten anhand praxisnaher Beispiele, wie vertrauensvolle Ansprechpartner im Quartier Unterstützungsbedarfe frühzeitig erkennen, Hilfen vermitteln und lokale Netzwerke koordinieren.

Die Referentinnen machten deutlich, dass Sozialmanagement heute nicht nur auf die zunehmende Vielfalt der Mieterschaft reagieren muss. Auch wirtschaftliche Herausforderungen wie Leerstand, die Sicherung der Wirtschaftlichkeit von Wohnungsunternehmen sowie der schrittweise Rückzug gesellschaftlicher Unterstützungsstrukturen erfordern neue Ansätze. Ziel ist es, Bewohner möglichst frühzeitig zu erreichen – bevor sich soziale, gesundheitliche oder finanzielle Problemlagen verfestigen. Gerade Scham, Angst oder Unsicherheit führen häufig dazu, dass notwendige Hilfen erst sehr spät in Anspruch genommen werden. Die Sozialen Kümmerer schaffen hier durch ihre Präsenz im Quartier, persönliche Ansprache und vertrauensvolle Beziehungen niedrigschwellige Zugänge zu Unterstützungsangeboten. Damit leisten sie nicht nur einen Beitrag zur Lebensqualität der Bewohner, sondern tragen auch zur Stabilisierung von Nachbarschaften, zur Vermeidung von Konflikten und Leerständen sowie zur langfristigen Sicherung wirtschaftlich tragfähiger Wohnquartiere bei. Im anschließenden Austausch wurden zudem die zukünftigen Herausforderungen für das Sozialmanagement in Wohnungsunternehmen benannt und diskutiert. Dabei wurde deutlich, dass sich die Anforderungen in den kommenden Jahren weiter erhöhen werden. Zu den wesentlichen Entwicklungen zählen:

  • Rückgang staatlicher Unterstützungsangebote und sozialer Hilfesysteme sowie das Auslaufen sozialer Projekte,
  • zunehmende psychische Krisen und Erkrankungen sowie komplexere Problemlagen bei Mietern,
  • sinkende familiäre Unterstützungsstrukturen und größere räumliche Entfernungen innerhalb von Familien,
  • steigende Einsamkeit und die Zunahme von Single-Haushalten, Trend zur Individualgesellschaft
  • wachsende finanzielle Belastungen vieler Haushalte bei gleichzeitig steigenden Lebenshaltungskosten, wachsende finanzielle Anspannung vs. Konsumwünsche, wirtschaftliche Situation Erwerbstätigkeit
  • demografischer Wandel mit Geburtenrückgang und einer alternden Gesellschaft,
  • die Herausforderung, neues und junges Leben in die Wohnquartiere zu bringen,
  • sowie die Sicherstellung einer wohnortnahen Pflegeversorgung angesichts personeller und finanzieller Engpässe.

Die Teilnehmenden waren sich einig, dass Sozialmanagement vor diesem Hintergrund weiter an Bedeutung gewinnen wird und einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit von Wohnungsunternehmen und Quartieren leisten kann.

Begegnungsstätte als Motor für Stadtentwicklung

Am Beispiel der BWG Halle-Merseburg wurde aufgezeigt, wie aus einer ehemaligen Begegnungsstätte ein Sozial-, Freizeit- und Dienstleistungszentrum entstehen kann. Die Genossenschaft fungierte dabei als Initiator der Wiederbelebung eines innerstädtischen Lost Place und setzte damit zugleich ein sichtbares Zeichen für nachhaltige Quartiersentwicklung und sozialen Zusammenhalt. Das Zentrum kann für Genossenschaftsmitglieder vergünstigt und zur Sicherstellung der wirtschaftlichen Tragfähigkeit sowie zur Ansprache neuer Zielgruppen von allen Einwohnern der Stadt genutzt werden.

 Im Fokus standen zudem die strategischen Aufgaben des genossenschaftlichen Sozialmanagements im schwierigen Feld des demografischen Wandels, insbesondere die Schaffung niedrigschwelliger Angebote für unterschiedliche Generationen, die Förderung sozialer Teilhabe sowie die Stabilisierung gewachsener Nachbarschaften. Ergänzend wurden praktische Erfahrungen mit öffentlichen Leistungen der Genossenschaft vorgestellt und deren Bedeutung für den gesellschaftlichen Mehrwert und den Social Impact solcher beispielhaften Einrichtungen hervorgehoben.

Quartiere von Morgen gestalten

Wie sich klassische Plattenbau-Wohngebiete in Märkten mit hohem Leerstand zu modernen Versorgungsquartieren entwickeln können, zeigte die Wobau Staßfurt. Vorgestellt wurden Ansätze, die Wohnen, Versorgung, Nachbarschaftshilfe und digitale Unterstützungsangebote miteinander verbinden und so insbesondere älteren Menschen ein selbstbestimmtes Leben im Quartier ermöglichen.

Wohnführerschein und Schuldenprävention

Mit dem „Wohnführerschein“ sowie dem Präventionsprojekt „Zwischen Traum und Wirklichkeit“ standen zwei Thüringer Projekte im Mittelpunkt, die junge Menschen frühzeitig für Themen wie Mietrecht, finanzielle Verantwortung und Schuldenprävention sensibilisieren. Die vorgestellten Initiativen setzen dabei auf die Zusammenarbeit unterschiedlicher Partner aus Wohnungswirtschaft, Kommunen und sozialen Einrichtungen.

Fazit

Der Mitteldeutsche Fachausschuss Sozialmanagement machte deutlich, dass soziale Angebote und quartiersbezogene Dienstleistungen wichtige Erfolgsfaktoren für Wohnungsunternehmen sind. Die vorgestellten Praxisbeispiele zeigten vielfältige Wege auf, wie Wohnungsunternehmen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und lebenswerte Quartiere stärken können.

Das nächste Treffen soll 2028 in Sachsen-Anhalt stattfinden.


09.06.2026