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Pressekonferenz der mitteldeutschen Wohnungswirtschaft in Leipzig


Mitteldeutsche Wohnungsverbände schlagen Alarm: Bezahlbares Wohnen braucht realistische politische Rahmenbedingungen

Leipzig, 11. Mai 2026 – Die sozial orientierte Wohnungswirtschaft in Mitteldeutschland steht vor enormen Herausforderungen. Steigende Bau- und Energiekosten, fehlende Fördermittel, wachsende regulatorische Anforderungen sowie die Aufgaben der Wärmewende und des demografischen Wandels setzen die Wohnungsunternehmen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zunehmend unter Druck.

Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz haben die mitteldeutschen Wohnungsverbände deshalb einen eindringlichen Appell an Bund und Länder gerichtet: Ohne verlässliche politische Rahmenbedingungen, praktikable Klimaschutzstrategien und auskömmliche Förderprogramme drohen dringend notwendige Investitionen auszubleiben – mit weitreichenden Folgen für bezahlbaren Wohnraum, soziale Stabilität und die Erreichung der Klimaziele.

Die sozial orientierten Wohnungsunternehmen in Mitteldeutschland bieten rund zwei Millionen Menschen ein Zuhause und versorgen damit etwa ein Viertel der Bevölkerung. Gleichzeitig bleiben die Mietsteigerungen weiterhin deutlich unterhalb der allgemeinen Verbraucherpreisentwicklung. Dennoch stoßen viele Unternehmen zunehmend an ihre wirtschaftlichen Grenzen.

Demografischer Wandel verändert den Wohnungsmarkt grundlegend

Besonders deutlich zeigen sich die Herausforderungen im demografischen Wandel. Sinkende Bevölkerungszahlen, eine alternde Gesellschaft und die Abwanderung junger Menschen verändern die Anforderungen an den Wohnungsbestand nachhaltig. Bis zum Jahr 2045 wird in Mitteldeutschland ein Bevölkerungsrückgang von rund 994.000 Menschen erwartet. Damit könnte perspektivisch der Bedarf an etwa 520.000 Wohnungen entfallen.

Doreen Mottl, Vorstand und Prüfungsdirektorin des Verbandes der Wohnungsgenossenschaften Sachsen-Anhalt e.V., betont:

„Mitteldeutschland steht vor einem tiefgreifenden demografischen Wandel. Die Kombination aus Abwanderung, niedrigen Geburtenzahlen und Überalterung stellt die Wohnungswirtschaft vor besondere Herausforderungen.“

Neubau droht weiter zum Erliegen zu kommen

Gleichzeitig geraten Neubauprojekte zunehmend ins Stocken. Hauptursachen sind massiv gestiegene Baukosten, hohe regulatorische Anforderungen und fehlende wirtschaftliche Perspektiven. Die Verbände fordern deshalb einen grundlegenden Kurswechsel hin zu einfacheren, schnelleren und bezahlbaren Lösungen.

Mirjam Philipp, Vorstand des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften e.V., erklärt:„Mut zum Bauen fällt nicht vom Himmel – es braucht endlich klare und verlässliche Rahmenbedingungen. Explodierende Baukosten und immer engere Investitionsspielräume würgen Neubau zunehmend ab.“

Aus Sicht der Verbände braucht es jetzt einen politischen Richtungswechsel – weg von überzogenen Vorgaben, hin zu praxistauglichen und wirtschaftlich tragfähigen Standards.

Serielles Sanieren als Chance für Klimaschutz und bezahlbares Wohnen

Große Potenziale sehen die Wohnungsverbände insbesondere im seriellen Sanieren standardisierter Wohnungsbestände in Ostdeutschland. Vor allem die zahlreichen Plattenbauten bieten die Möglichkeit, klimafreundliche Lösungen industriell zu entwickeln und in großem Maßstab umzusetzen.

Alexander Müller, Verbandsdirektor des vdw Sachsen Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft e.V., sieht darin einen zentralen Hebel:

„Serielles Sanieren ist für die ostdeutsche Wohnungswirtschaft der Schlüssel zur Klimaneutralität im Bestand. Unsere standardisierten Plattenbauten bieten die Chance, tausende Wohnungen schnell, wirtschaftlich und klimafreundlich zu modernisieren.“

Praxisbeispiele aus Mitteldeutschland zeigten bereits heute, dass serielle Sanierungen technisch umsetzbar und perspektivisch wirtschaftlich tragfähig sein können.

Fehlende Förderprogramme gefährden Investitionen

Die Wohnungsunternehmen stehen gleichzeitig vor einem zweiten großen Modernisierungszyklus. Nach dem Bau vieler Bestände in DDR-Zeiten und deren umfassender Sanierung in den 1990er-Jahren sind erneut erhebliche Investitionen erforderlich – insbesondere für Dekarbonisierung, altersgerechten Umbau und energetische Modernisierung.

Besonders kritisch bewerten die Verbände die fehlenden Förderkulissen in Teilen Mitteldeutschlands. In Sachsen-Anhalt stehen derzeit beispielsweise keine aktiven Wohnraumförderprogramme zur Verfügung.

Jens Zillmann, Verbandsdirektor des Verbandes der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt e.V., fordert daher:

„Wenn wir bezahlbaren Wohnraum langfristig sichern wollen, brauchen wir jetzt ein tragfähiges und verlässliches Förderprogramm für die Bestandssanierung.“

Gemeinsamer Appell an Bund und Länder

Die mitteldeutschen Wohnungsverbände machen deutlich, dass die Herausforderungen in Mittel- und Ostdeutschland nicht mit den Wohnungsmärkten wachsender Metropolen vergleichbar sind. Deshalb brauche es differenzierte wohnungspolitische Lösungen für Schrumpfungs- und Wachstumsregionen.

Die Verbände fordern insbesondere:

  • realistische und wirtschaftlich tragfähige Klimapfade,
  • verlässliche und kombinierbare Förderprogramme,
  • einen gesetzlichen Basiswohnstandard,
  • schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren,
  • stärkere Unterstützung für Bestandssanierung und serielles Sanieren,
  • sowie eine differenzierte Wohnungspolitik für unterschiedliche regionale Entwicklungen.

Die mitteldeutsche Wohnungswirtschaft sei bereit, Verantwortung für bezahlbares Wohnen, soziale Stabilität und die nachhaltige Transformation des Gebäudebestandes zu übernehmen. Dafür brauche es jedoch endlich politische Rahmenbedingungen, die Investitionen ermöglichen statt verhindern.







17.05.2026