GEMEINSAME PRESSEMITTEILUNG
„Neujahrsempfang: Dekarbonisierung, Demografie, Digitalisierung – Was kommt 2026?“
„Neujahrsempfang:
Dekarbonisierung, Demografie, Digitalisierung – Was kommt 2026?“
Magdeburg, 13. Januar 2026 – Die Architektenkammer Sachsen-Anhalt, die Landesgruppe Sachsen-Anhalt des Verbandes kommunaler Unternehmen, der Verband der Wohnungsgenossenschaften Sachsen-Anhalt e.V. und der Verband der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt e.V. luden zum Neujahrsempfang am 12. Januar 2026 in die Johanneskirche nach Magdeburg ein – einem Jahresauftakt, der weit mehr war als ein traditionelles Zusammentreffen. In einer Zeit großer Herausforderungen und tiefgreifender Transformationsprozesse möchten sie gemeinsam mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die Weichen für ein starkes, lebenswertes und innovatives Sachsen-Anhalt stellen. Es geht um die Menschen im Land!
Als wichtige Akteure unserer Gesellschaft und verlässliche Partner setzen sie sich dafür ein, Sachsen-Anhalt nachhaltig zu stärken und zukunftsorientiert auszurichten.
Die Verantwortlichen im Bau- und Wohnungswesen und in der Politik, aber auch die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes, sollten die Herausforderungen des Strukturwandels verstärkt als Chance und weniger als Belastung anerkennen. Die in der Architektenkammer Sachsen-Anhalt organisierten Planerinnen und Planer, nehmen diese Herausforderung gerne an. Wir stehen bereit und verfügen über die fachliche Kompetenz, mit Kreativität und Ideenvielfalt darauf zu reagieren. Die demografischen Veränderungen bieten uns Räume und Möglichkeiten, die Aufenthaltsqualität im Wohnumfeld zu steigern und dabei neuartige Formen des Zusammenlebens zu etablieren. Bei der Dekarbonisierung darf der Fokus nicht allein auf Energieverbrauch und CO₂-Belastung im Gebäudebetrieb liegen. Vielmehr müssen Erstellung, Umnutzung und Instandhaltung von Gebäuden stärker in den Blick genommen werden. Moderne, aber auch längst bekannte Baumaterialien bieten kluge Alternativen, und die Digitalisierung kann zum entscheidenden Motor für die erforderliche Beschleunigung des Wandels werden.
Sachsen-Anhalts Städte stehen vor der größten infrastrukturellen Transformation seit Jahrzehnten: Die Energiewende wird konkret und erfordert massive Investitionen in Wärme- und Energieinfrastruktur. Für die Mitgliedsunternehmen des Verbandes kommunaler Unternehmen, Landesgruppe Sachsen-Anhalt, insbesondere die Stadtwerke, bedeutet das, Strategien in Bauprojekte umzusetzen – mit sichtbaren Auswirkungen wie Baustellen und Einschränkungen im Alltag. Die Wärmewende ist besonders herausfordernd, da sie kurzfristig keinen Komfortgewinn bringt, aber langfristig Klimaschäden verhindert; Transparenz und frühzeitiger Dialog sind entscheidend für Akzeptanz. Kommunen und Stadtwerke müssen eng kooperieren, um Netze auszubauen und neue Erzeugungskapazitäten zu schaffen. Dazu braucht es auch die Wohnungswirtschaft, denn die Wärmewende ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Bei einer durchschnittlichen Nettokaltmiete von 5,68 Euro/m² in den Mitgliedsunternehmen im Verband der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt e. V. (VdW) und im Verband der Wohnungsgenossenschaften Sachsen-Anhalt e. V. (VdWg) gelang es ihnen im Durchschnitt der letzten drei Jahre jedes Jahr ca. 465 Mio. Euro in die Gebäudebestände zu investieren. Immer deutlicher wurde, dass der Großteil der zur Verfügung stehenden Gelder aufgrund der enormen Baukostensteigerung der letzten Jahre für die reine Instandhaltung verbraucht wird. Der Baukostenindex für Wohngebäude, in dem u. a. auch Kosten für die Ausbaugewerke enthalten sind, ist in den letzten drei Jahren um 39,5 % angestiegen (3. Quartal 2025, Basisjahr 2021).
Aus den moderaten Mieten der Mitgliedsunternehmen beider Verbände heraus kann immer weniger für die Modernisierung und damit für die dringend notwendigen Qualitätssprünge ausgegeben werden. Diese sind jedoch wichtig, um mit der demografischen Entwicklung zukünftig einen generationengerechten Wohnraum sicherstellen zu können.
Für in den Jahren ab 2035 wirksame Maßnahmen zur Dekarbonisierung und einer generationsgerechten Fortentwicklung des Gebäudebestandes müssen heute die Investitionsentscheidungen getroffen werden. Dafür fehlt es aber weiterhin an einem sicheren Planungshorizont. Sollen die Gebäude barrierearm umgebaut und die Wärmeversorgung CO2-neutral ausgerichtet werden, bedarf es bis 2045 in den Mitgliedsunternehmen von VdW und VdWg eines Finanzierungsbedarfes von mehreren Milliarden Euro.
Diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe kann von der sozialorientierten Wohnungswirtschaft allein nicht gelöst werden. Es bedarf im Land Sachsen-Anhalt einer langfristig planbaren und belastbaren Wohnungsbauförderung für eine zukunftsgerichtete und sozial gerechte Transformation der Bestände. Wir brauchen einen Modernisierungsturbo von mindestens 1,0 Mrd. Euro für die nächste Legislatur (200 Mio. Euro p.a.)! Ein solcher muss durch die derzeitige und erst recht zukünftige Landesregierung umgesetzt werden.
Zum Neujahrsempfang wurden zahlreiche Entscheiderinnen und Entscheider aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung erwartet – darunter Vertreterinnen und Vertreter der Stadt, der Ministerien, der Kammern sowie des Landtages. Oberbürgermeisterin Simone Borris und Ministerin Dr. Lydia Hüskens, Ministerium für Infrastruktur und Digitales, haben mit ihren Grußworten den offiziellen Auftakt gestalten.
Ein besonderer Höhepunkt des Abends war die Diskussionsrunde zu den drei zentralen Zukunftsthemen im Land:
- Dekarbonisierung – Wie gelingt klimaneutrales Wohnen und Leben ohne soziale Härten?
- Demografie – Was brauchen Städte und Gemeinden, damit sie für alle Generationen lebenswert bleiben?
- Digitalisierung – Welche Chancen bieten moderne Technologien für bessere Wohn- und Lebensqualität?
- sowie der Frage: 2026, Wo stehen wir?
Durch die Diskussion führten die beiden Verbandsdirektoren der wohnungswirtschaftlichen Verbände, Jens Zillmann (VdW) und Dr. Matthias Kuplich (VdWg). Die Moderation des Abends übernahmen der Geschäftsführer der Architektenkammer André Schlecht Pesé sowie VKU-Landesgeschäftsführer Thomas Micka.
Stimmen aus der Kammer und den Verbänden:
Prof. Axel Teichert, Präsident der Architektenkammer Sachsen-Anhalt:
„Der Gebäudebestand spielt eine zentrale Rolle bei der Bewältigung zahlreicher Probleme des Klimaschutzes und der demografischen Entwicklung. Er trägt dazu bei, Identität zu bewahren, und eröffnet vielfältige Möglichkeiten, die Qualität der Substanz zu steigern. Bereits vor 100 Jahren haben Wohnungsbauprojekte der „Klassischen Moderne“ gezeigt, dass kreative Baukultur und Bezahlbarkeit gemeinsam zur Verbesserung der Lebensqualität führen können. Überkommene Regeln, Vorstellungen und Gewohnheiten beim Bauen und Wohnen sind infrage zu stellen. Pragmatismus und Offenheit in der Politik – frei von Ideologie und Vorurteilen – wünschen wir uns als notwendigen Nährboden für eine erfolgreiche Transformation.“
Thomas Pietsch, Geschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen e.V. Landes-gruppe Sachsen-Anhalt (VKU):
„Die Energiewende verändert Sachsen-Anhalts Städte grundlegend. Massive Investitionen in Wärme- und Energienetze sind nötig – mit sichtbaren Auswirkungen im Alltag. Die Wärmewende bringt kurzfristig keinen Komfortgewinn, verhindert aber langfristig Klimaschäden. Entscheidend: Transparenz, Dialog und Zusammenarbeit von Kommunen, Stadtwerken und Wohnungswirtschaft. Nur gemeinsam schaffen wir die Netze und Kapazitäten für eine klimafreundliche Zukunft.“
Lutz Haake, Vorsitzender des Verbandsrats des Verbandes der Wohnungsgenossenschaften Sachsen-Anhalt e. V. (VdWg):
„Die Aufgaben der Wohnungsgenossenschaften gehen weit über die bloße Vermietung hinaus. Neben der Herstellung der CO2 -Neutralität wird das Sozialmanagement immer wichtiger, um die Stabilität in den Nachbarschaften und Quartieren zu erhalten. Trotz dieser Komplexität versuchen unsere Wohnungsgenossenschaft die Mietkosten sozialverträglich zu gestalten, jedoch machen die Betriebs- und Nebenkosten das Wohnen immer teurer. Mittlerweile sind 40% der Gesamtmiete Betriebs- und Nebenkosten. Sollte das Land weiterhin keine nennenswerte und langfristig planbare Wohnraumförderung bereithalten, wird die Mietbelastung in Sachsen-Anhalt unumgänglich weiter steigen. Wir brauchen für große Herausforderungen große Lösungen.“
Rando Gießmann, Verbandsratsvorsitzender des Verbandes der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt e. V. (VdW):
„Im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung sind in vielen Städten die Handlungsfelder bestimmt und der Weg zur Reduzierung der CO2 Emissionen beschrieben. Es muss nunmehr geklärt werden, wie die hohen Investitionen letztendlich finanziert werden sollen. Eine zentrale Rolle wird dabei die zukünftige Entwicklung in der Fernwärmeerzeugung spielen, die mehr als 60 % unserer Wohnungen mit Wärme versorgen. Die demografische Entwicklung in unserem Land schafft einen immer größeren Bedarf an barrierereduziertem Wohnraum, den wir nur mit einer auskömmlichen und verlässlichen Wohnraumförderung des Landes bereitstellen können. Das Aufzugsprogramm der Investitionsbank Sachsen-Anhalt muss dringlich wiederbelebt werden!“
Architektenkammer Sachsen-Anhalt
Die Architektenkammer Sachsen-Anhalt ist die Selbstverwaltungseinrichtung des Berufsstandes der Architekten in Sachsen-Anhalt. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts vertritt sie seit 1991 die Interessen des Berufsstandes gegenüber Politik und Gesellschaft. Sie bringt sich aktiv in Gesetzgebungsverfahren ein und berät politische Gremien des Landes. Der Architektenkammer gehören rund 1.000 Mitglieder an, die als Freiberufler, Angestellte und Beamte tätig sind. Architekten, Landschaftsarchitekten, Innenarchitekten und Stadtplaner gestalten maßgeblich Sachsen-Anhalts Städte und Gemeinden. Präsident der Architektenkammer Sachsen-Anhalt ist seit November 2016 Prof. Axel Teichert.
Verband kommunaler Unternehmen e.V. Landesgruppe Sachsen-Anhalt
Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) ist die Interessenvertretung der kommunalen Versorgungs- und Entsorgungswirtschaft in Deutschland. Die im VKU organisierten mehr als 1.500 Mitgliedsunternehmen sind u. a. in der Energieversorgung, der Wasser- und Abwasserwirtschaft, dem Telekommunikationsbereich sowie der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung tätig. In Sachsen-Anhalt sind 48 kommunale Unternehmen im VKU organisiert. Die VKU-Mitgliedsunternehmen in Sachsen-Anhalt leisten jährlich Investitionen in Höhe von über 330 Millionen Euro, erwirtschaften einen Umsatz von mehr als 3 Milliarden Euro und sind wichtiger Arbeitgeber für über 6.000 Beschäftigte. Thomas Pietsch ist seit 2021 Landegruppenvorsitzender des VKU.
Verband der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt e.V.
Der Verband der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt e.V. (VdW) vertritt die Interessen der 77 kommunalen Wohnungsunternehmen in Sachsen-Anhalt. Der VdW setzt sich ebenfalls gegenüber Politik, Wirtschaft und Gesellschaft für das Wohl seiner Mitgliedsunternehmen sowie deren Mieter und Mieterinnen ein. Bezahlbarer Wohnraum, gleichwertige Wohnverhältnisse im ländlichen Raum und Städten, Umwelt- und Klimaschutz sowie der Umgang mit den Herausforderungen des demografischen Wandels sind dabei seine erklärten Ziele. Die Mitgliedunternehmen des VdW verwalten rund 165.000 Wohneinheiten.
Verband der Wohnungsgenossenschaften Sachsen-Anhalt e.V.
Der Verband der Wohnungsgenossenschaften Sachsen-Anhalt e.V. (VdWg) ist ein Fach-, Interessen- und Prüfungsverband für Wohnungsgenossenschaften in Sachsen-Anhalt. Seine Aufgabe ist es, sich gegenüber der Politik, der Wirtschaft und der Gesellschaft für die Interessen der Mitgliedsunternehmen und deren Mitglieder einzusetzen. Darüber hinaus gilt es, die Rechtsform der Genossenschaft zu schützen und zu stärken. Im VdWg sind 148 Mitgliedsunternehmen organisiert, im Wesentlichen Wohnungsgenossenschaften und deren Tochterunternehmen. Seine Mitgliedsgenossenschaften verwalten ca. 148.000 Wohneinheiten, in denen rund 290.000 Mieterinnen und Mieter wohnen.
